2. Sonnensystem

2025-11-30

In diesem Kapitel beschäftigen wir uns primär mit den verschiedenen Objekten im Sonnensystem, aber auch den Bedingungen für alle Bewegungen im Raum.

2.1. Die Astronomische Einheit

Die Astronomischen Einheit (\(AE\)) ist die mittlere Entfernung zwischen Erde und Sonne.

Messung der Astronomischen Einheit

Aus den exakt messbaren synodischen Umlaufszeiten unserer Nachbarplaneten erhält man

Kennt man von keinem Objekt den Wert der großen Halbachse, so kennt man alle Abstände nur als Vielfache der Größe \(AE\). Man verfügt nur über eine "Landkarte" des Sonnensystems ohne Angabe des Maßstabs.

Ausgewählte Möglichkeiten zur Messung einer absoluten Entfernung im Sonnensystem:

1) Parallaxenmessungen

Die einfache und bekannte Methode der Parallaxenmessung liefert brauchbare Ergebnisse nur dann, wenn man einen Körper vermisst, welcher der Erde sehr nahe kommt.
Dazu peilt man von zwei verschiedenen (und möglichst weit auseinanderliegenden) Orten der Erde aus einen Körper an.

Das gelingt z. B. recht gut bei dem Zwergplaneten Eros (1898 entdeckt, 1900-1901 in Opposition die Bahn präzise vermessen, 2000-2001 von Raumsonde besucht).

Der Abstand zur einem beliebigen Körper liefert uns bereits den Maßstab, der das ganze Sonnensystem “kalibriert”.

2) Radarmessungen

Hierbei handelt es sich um die modernste und genaueste Methode. Radarechos sind allerdings von der Sonne nicht zu messen. Besonders geeignet für solche Messungen ist unser Nachbarplanet Venus.

3) Methode von Aristarch(os)

Dreieckskonstruktion Sonne - Erde - Mond bei Halbmond.

4) Venusdurchgänge

Entfernungsmessung durch Parallaxe.
Deren Bestimmung durch Venus-Ort auf der Sonne oder genauer Durchlaufzeit.
Bild: Durchgang von 1769.

wikipedia

2.2. Wdh. von Gravitationsgesetz und Kepler-Gesetzen

3 Keplergesetze

K1
Planetenbahn liegt auf einer Ellipse.
Die Sonne liegt in einem Brennpunkt.
K2
Der Fahrstrahl überstreicht in gleichen Zeitabschnitten gleiche Flächen.
wikipedia
K3
Die Quadrate der siderischen Umlaufdauern zweier Planeten verhalten sich wie die Kuben (dritten Potenzen) ihrer großen Halbachsen.
Siehe auch wikipedia.

\[ \bbox[lightyellow,12px] { \begin{align} \frac{T_E^2}{T_P^2} = \frac{a_E^3}{a_P^3} \textrm{bzw.} \frac{T^2}{a^3} = C \end{align} } \]

Gravitationsgesetz

Zwischen je zwei Körpern besteht eine (anziehende) Kraft, die nur von deren Massen und deren Abstand abhängt.

Gravitationskraft: \[ \bbox[lightyellow,12px, border: 2px solid orange] { F_G=G\cdot \frac{mM}{r^2} } \]

Wobei man m bzw. M für die kleinere bzw. größere Masse nimmt.
r ist der Abstand der Schwerpunkte (bei regelmäßigen Körpern: die Mitte).

Daraus folgt die Gravitationsenergie (die allgemeine potentielle Energie im Gravitationsfeld) durch Integration der Kraft über den Weg. Wir lösen das ohne explizite Integration:

Gravitationsenergie

Ohne Integration zeigen wir hier die Plausibilität über
Kraft = Ableitung der mech. Energie nach dem Weg
an Beispielen:

BieC
xkcd

2.3. Bewegungen im Gravitationsfeld im Detail

Energie im Gravitationsfeld

Die potentielle Energie des kleineren Körpers im Feld des größeren mit r für den Abstand der Massenschwerpunkte (nicht der Oberflächen).

\[ \bbox[lightyellow,12px] { E_{pot}=-\frac{GmM}{r} } \]

Nun werden wir über v und die kinetische Energie die Gesamtenergie eines Körpers auf einer Keplerbahn herleiten:

Herleitung v auf Kepler-Kreisbahn

Ansatz: Kräftegleichgewicht auf Kreisbahn mit Radius \(r\).

\[ \bbox[lightyellow,12px] { \begin{align} F_Z &= F_G && \text{| einsetzen}\\ {mv^2 \over r} &= {GMm \over r²} && \text{| auflösen, kürzen}\\ {v^2} &= {GM \over r} && \text{| radizieren}\\ {v} &= \sqrt{GM \over r} && \text{| }\\ \end{align} } \]

Kreisbahn: 1. Kosmische Geschwindigkeit, Parameter, Newton, z.B. Erdumlaufbahn

wikipedia

A, B: Bei horizontalem Abschuss fällt ein Körper auf die Erdoberfläche zurück, wenn die Geschwindigkeit zu gering ist.

C: Mit der 1. kosmischen Geschwindigkeit beschreibt der Körper eine Kreisbahn um die Erde und wird ein Satellit.

D: Bereits mit etwas höherer Geschwindigkeit wird eine ellipsenförmige Umlaufbahn erreicht.

E: Mit der 2. kosmischen Geschwindigkeit (“Fluchtgeschwindigkeit”) öffnet sich die Bahn zu einer Keplerparabel (E) (s.u.).

E: Mit der 2. kosmischen Geschwindigkeit (“Fluchtgeschwindigkeit”) öffnet sich die Bahn zu einer Keplerparabel (E) (s.u.).

Herleitung Ekin und Eges auf Kepler-Kreisbahn

Entweder obige Kreisbahngeschwindigkeit in \(E_{kin}=\tfrac{1}{2} mv^2\) einsetzen oder schon früher geschickt umformen:

\[ \bbox[lightyellow,12px] { \begin{align} F_Z &= F_G && \text{| wie oben}\\ {mv^2 \over r} &= {GMm \over r²} && \text{|} \cdot \frac r2 \\ E_{kin}={{1\over2}mv^2} &= {{1\over2}{GMm \over r} } \end{align} } \] \[\bbox[lightyellow,12px] { E_{ges}=E_{pot} + E_{kin} = {-{1 \over 2} {{GmM} \over {r}} } \mathtt{<0} }\]

Gesamtenergie auf einer Kepler-Ellipsenbahn

Die Gesamtenergie ist ebenfalls konstant mit a (Große Halbachse bei Ellipsenbahn) statt r (Radius bei Kreisbahn), dann aber schwanken die beiden Energien periodisch mit konstanter Summe. Es ergeben sich vielen Rechenmöglichkeit für Perihel und Aphel, Übung…

\[ \bbox[lightyellow,12px, border: 2px solid orange] { E_{ges}= {-{1 \over 2} {{GmM} \over {a}} } }\]

BieC

Dies gilt nur für geschlossene Kurven,
also nicht für Kepler-Parabel oder -Hyperbel

Fluchtgeschwindigkeit

Wenn die Gesamtenergie >= 0 ist, so entkommt der Körper dem Schwerefeld!
(ergibt keine geschlossene Kurve, also weder K.-Ellipse noch K.-Kreis).

Betrachte dazu a ➜ unendlich bei festem r in Epot:

Dann ergibt sich die 2. kosmische Geschwindigkeit oder auch Fluchtgeschwindigkeit aus Ekin - siehe Buch und Formelsammlung zu v(a,r) (v als Funktion von a und r).

2.4. Reisen auf der Hohmann-Bahn, Swing-by-Effekt

a) Energiearmer Transfer zwischen Planetenbahnen

Verbindung der beiden kreisähnlichen Umlaufbahnen (z.B. Erde zu Mars) durch eine halbe Ellipse.

1: Erdbahn
2: Ellipse der Hohmannbahn (nur eine Hälfte wird benutzt)
3: Bahn eines oberen Planeten

\[ \bbox[lightyellow,12px] { a_H= \frac {a_E+a_M}2 \textit{(reine Geometrie)} }\]

wikimedia

Typische Aufgaben

Beispiel mit Manövern (nicht rein Hohmann):

wikipedia

b) Swing-by am Bsp. von Voyager 2

Idee: Bahn durch das Gravitationsfeld eines Planeten erhöht sich die Gesamtenergie des Sonde.

Funktionsweise: Die kurzfristige Kraftwirkung in der Nähe eines Planeten ist vergleichbar mit einem Abprallen in einem “Kraftfeld”. Dies führt zur Energieaufnahme, die rechnerisch aus der Bewegungsenergie des Planeten kommt (vergleiche Abprall an einem Tennisschläger).

Ablauf: Sonde begegnet nacheinander Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun (leider nicht exakt genug).

Siehe folgende Darstellungen:

Voyagerbahn

wikimedia

Voyager-Geschwindigkeit

wikimedia

Beachte die orange Kurve für die Fluchtgeschwindigkeit im Sonnengravitationsfeld.

Die blaue Linie gibt die jeweiligen Geschwindigkeiten der Sonde wieder. Die Peaks ergeben sich beim Swing-By-Manöver!

Merke

Für einen Körper auf einer Keplerbahn vorgegebener Masse um einen Zentralkörper vorgegebener Masse gilt:

Übung zur Energie

Eine Sonde (m=100kg) soll auf der Hohmannbahn von der Erdbahn zur Jupiterbahn fliegen. \(r_E\)=1AE, \(T_E\)=1a,
\(r_J\)=5,20AE, \(T_J\)=11,86a
\(G=\small{6,67\cdot10^{-11}}\) \(\quad \small\frac{m^3}{kg\,s^2}\)
\(M=\small {1,99\cdot10^{30}kg}\)

\[ \bbox[lightyellow,12px] { v(r,a)= \sqrt{ G\cdot M \cdot \left( \frac2r - \frac1a \right) } \quad \text{(➜FS)} }\]

\[ \bbox[#EFE,12px] { \begin{align} a_H = \small{\frac{1+5,2}2 AE } & = 3,1 AE \quad\Rightarrow\quad T_H = \small \sqrt{3,1^3\: a}\normalsize &&\approx 5,46 a \\ v_E = \small{v(1AE,1AE)} &= \small\sqrt{ G M \cdot \left( \frac2{1AE} - \frac1{1AE} \right) } &&\approx 29,7 \frac{km}s \\ v_J = \small{v(5,2AE,5,2AE)} &= \small\sqrt{ GM \cdot \left( \frac2{5,2AE} - \frac1{5,2AE} \right) } &&\approx 13,0 \frac{km}s \\ v_{\small{Perihel}}= \small{v(1AE,3,1AE)} &= \small\sqrt{ GM \cdot \left( \frac2{1AE} - \frac1{3,1AE} \right) } && \approx 38,5 \frac{km}s \\ v_{\small{Aphel}}= \small{v(5,2AE,3,1AE)} &= \small\sqrt{ GM \cdot \left( \frac2{5,2AE} - \frac1{3,1AE} \right) } && \approx 7,4 \frac{km}s \\ \Delta E = E_{nach} -E_{vor}&= \small{\frac12} m \left( v_{nach}^2 - v_{vor}^2 \right) = \dots \\ \scriptsize\text{30,0 GJ + 5,7 GJ} &\approx \scriptsize\text{ 765 kg Benzin...} \end{align} }\]

2.5. Eigenschaften der Planeten

Stichworte:

Begriff: “gebundene Rotation

Beispiele:

Details: Lehrbuch, Formelsammlung

2.6. Andere Mitglieder des Sonnensystems

Lage

Sonne➜innere➜Asteroidengürtel➜äußere➜Kuipergürtel➜Oortsche Wolke

Zwergplanet

A "dwarf planet" is a celestial body that

  1. is in orbit around the Sun,
  2. has sufficient mass for its self-gravity to overcome rigid body forces so that it assumes a hydrostatic equilibrium (nearly round) shape,
  3. has not cleared the neighbourhood around its orbit, and
  4. is not a satellite.

Ein Planet unterscheidet sich von einem Zwergplaneten in der Definition nur im Punkt c. ! Dahinter verbirgt sich natürlich eine größere Masse…

Asteroiden

wikimedia, bearbeitet von BieC

Kuipergürtel

Oortsche Wolke

Kometen

Meteoroiden

2.7. Der Erdmond - Die Gezeiten

 

Vergleich einiger Monde im Sonnen- system

wikipedia

Phänomen: Mondphasen

1: Neumond (ggf. SoFi),
wir sehen nur die unbeleuchtete Seite.

2-4: Zunehmender Mond.

5: Vollmond (ggf. MoFi),
wir sehen die voll beleuchtete Seite.

6-8: Abnehmender Mond.

Merke:
Der Mond ist immer zu 50% beleuchtet, aber unsere Beobachterperspektive wechselt mit einer Periodendauer von ca. 29,5 Tagen.

wikipedia

Phänomen: Gezeiten

BieC

Flut auf mondzugewandter und -abgewandter Seite.
Wegen Erdrotation \(T \approx 12 h\)

wikipedia

Auch die Sonne verursacht Gezeiten, aber schwächer (unauffälliger) als der Mond.

Die Addition der beiden Wirkungen ergibt das Spektrum von Springflut bis Nipptide.

Phänomene: Sonnen- und Mondfinsternis

wikipedia

(Totale) Sonnenfinsternis:
Der (Kern)-Schatten des Mondes fällt auf die Erde.

Reihenaufnahme einer partiellen Sonnenfinsternis

pxhere

Sonne und Mond bewegen sich gleichzeitig am Himmel, aber mit unterschiedlichen Winkelgeschwindigkeiten.

wikipedia

(Totale) Mondfinsternis:
Der Mond bewegt sich (komplett) in den Schatten der Erde.

Nicht “total” heißt dann “partiell”.

Warum treten die genannten Finsternissen nicht öfter auf?
➜ Neigung der Mondbahnebene (magenta) zur Ekliptikebene (grün):

zum.de

Ausführlicher, aber m.M.n. unübersichtlicher: vermutetes Original (im Webarchiv).


  1. Sch, CC BY-SA, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Venus_parallax_during_the_1769_transit_de.png↩︎

  2. Stw, CC BY-SA, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kepler-second-law.svg↩︎

  3. C. Bienmüller, CC BY-NC-SA, selbst erstellt↩︎

  4. Randall Munroe, pauschale Erlaubnis für nichtkommerzielle Nutzung, https://xkcd.com/681↩︎

  5. Brian Brondel, CC BY-SA, https://en.wikipedia.org/wiki/File:Newton_Cannon.svg↩︎

  6. C. Bienmüller, CC BY-NC-SA, selbst erstellt↩︎

  7. Waterced, CC-BY-SA, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hohmann_transfer_orbit2.svg↩︎

  8. unbekannt, Public Domain↩︎

  9. Phoenix7777, CC-BY-SA, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Animation_of_Voyager_2_trajectory.gif↩︎

  10. Dradler, CC-BY-SA, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Voyager_2_Heliocentric_Velocity.png↩︎

  11. Mehrere Bearbeiter, eigentliche Basis ist Public Domain, siehe https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:Asteroid_Belt-de.svg↩︎

  12. NASA, Public Domain, https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Moons_of_solar_system_v7.jpg↩︎

  13. Horst Frank und Nethac DIU, CC-BY-SA, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mond_Grafik.svg↩︎

  14. C. Bienmüller, CC BY-NC-SA, selbst erstellt↩︎

  15. Herbert Bolz, CC-BY, https://de.wikipedia.org/wiki/Springtide#/media/Datei:Gezeiten.jpg↩︎

  16. Sagredo, public domain, https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:Geometry_of_a_Total_Solar_Eclipse.svg↩︎

  17. unbekannt, public domain, https://pxhere.com/de/photo/894108↩︎

  18. Sagredo, public domain, https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:Geometry_of_a_Lunar_Eclipse.svg↩︎

  19. Thomas Gebhardt, mit freundlicher Erlaubnis, https://www.zum.de/Faecher/Materialien/gebhardt/astronomie/finsternis/finsternis.html↩︎