2026-09-06
Woher kennen wir die Massen der Sterne?
Dazu erinnern wir uns, woher wir die Masse unserer Sonne kennen: Durch ihre Gravitationswirkung auf andere Körper (Kepler3, Gravitationsgesetz).
Wie erfahren wir nun die Massen ferner Sterne? ➜ DOPPELSTERNE!
Wenn zwei Sterne „zueinander gehören”, d.h. zu zweit um ihren gemeinsamen Schwerpunkt kreisen, sind es Physische Doppelsterne.
Wir unterscheiden 4 Arten, wie wir sie erkennen können. Die 4 Typen können sich daher auch „überschneiden”:
(Anmerkung: Tatsächlich gibt es sehr häufig auch Dreifachsysteme, Vierfachsysteme, usw. Über die Hälfte aller uns bekannten Fixsterne sind Mitglieder von Mehrfachsystemen. Dabei können die Abstände bzw. Umlaufszeiten stark variieren, letztere von Stunden bis zu Millionen Jahren. Wir beschränken uns im Folgenden aber auf den einfachsten Fall, die Doppelstern-Systeme.)
Man kann selbst im größten Fernrohr nur einen Stern wahrnehmen (also eine Lichtquelle). Aber aus periodischen Ortsveränderungen dieses Sterns („Wackeln”) kann man schließen, dass es einen Begleitstern geben muss.
1834 bemerkte Bessel ein solches „Wackeln” bei SIRIUS.
1862 konnte der Begleiter mit neuen lichtstarken Fernrohren gesehen
werden.
Genauso wurden auch erste Exoplaneten nachgewiesen!
Man sieht wieder nur eine Lichtquelle. In deren Spektrum entdeckt man Doppler-Verschiebungen, da die beiden Sterne sich uns regelmäßig nähern bzw. sich von uns entfernen (➜ periodische Radialbewegung).
Variante 1: Das Spektrum enthält nur das Licht eines
Sterns, da der andere zu dunkel ist.
Dann bewegen sich die Spektrallinien periodisch zu größeren (Stern
entfernt sich) und kleineren (Stern nähert sich) Wellenlängen.
Variante 2: Das Licht beider Sterne tritt
gleichzeitig im Spektrum auf.
Ihre Spektrallinien bewegen sich gegenläufig hin und her.
Siehe auch bei Leifiphysik.
(früher auch Bedeckungsveränderliche)
Man kann sieht nur eine Lichtquelle.
Aber da sich die beiden Sterne, von uns aus gesehen, regelmäßig (evtl. nur teilweise) verdecken, stellen wir periodische Schwankungen der (Gesamt-) Helligkeit fest.
Die Gesamthelligkeit ist als Lichtkurve unter der Animation angegeben.
Zur Animation in der Wikipedia.
Die beiden Sterne können optisch „getrennt” werden, d.h. beide können (im Fernrohr) gesehen bzw. fotografiert werden. Dazu darf ihr gegenseitiger Abstand a aber nicht allzu klein sein (abhängig von ihrer Entfernung r von uns).
Kennt man bei visuellen Doppelsternen die Umlaufszeit T und den Abstand a der beiden Sternpartner (dies setzt voraus, dass die Entfernung r des Sternsystems von uns bekannt ist), so nennt man den Abstand der beiden Sterne a und betrachtet ihn als große Halbachse der Ellipse, auf welcher der eine (kleinere) Stern um den anderen (größeren) Stern läuft.
Nun kann man mit dem 3. Keplergesetz die Gesamtmasse der beiden Sterne berechnen:
\[ \bbox[lightyellow,12px] { \mathbf{m}_{\mathbf{A}}\mathbf{+ \ }\mathbf{m}_{\mathbf{B}}\mathbf{= \ }\frac{\mathbf{4}\mathbf{\pi}^{\mathbf{2}}}{\mathbf{G}}\mathbf{\ \bullet \ }\frac{\mathbf{a}^{\mathbf{3}}}{\mathbf{T}^{\mathbf{2}}} }\]
Kennt man nun noch das Verhältnis der Abstände beider Sterne vom
gemeinsamen Schwerpunkt, so kann man mit Hilfe des Schwerpunktsatzes aus
der Gesamtmasse mges die Einzelmassen mA und
mB berechnen:
mA : mB = aB :
aA
So konnte man die Massen vieler Sterne bestimmen - welche jedoch nur
ein winziger Teil aller Sterne waren:
Ein System eines visuellen Doppelsterns, bei dem man klar die Bewegung
beider Sterne um den gemeinsamen Schwerpunkt ausmessen werden konnte und
bei dem die Parallaxe (Entfernung) mit genügender Genauigkeit bekannt
war.
Aus diesen Messungen erhielt man folgenden „groben” Zusammenhang zwischen den Massen von Sternen und ihren Leuchtkräften, der nur für Hauptreihensterne gilt:
\[ \bbox[lightyellow,12px, border: 2px solid #005ce6] { L \sim m^{3} }\]
Praktisch ist es, die Helligkeiten, Massen und Lebensdauern relativ
zur Sonne anzugeben.
Ein Wert mit Sternchen ist also das Verhältnis aus dem Wert des Sterns
und dem Wert der Sonne.
Er ist daher ohne Einheit (da sie sich herauskürzt)!
\[ \bbox[lightyellow,12px] { \begin{align} {L^{*}} &= \cfrac{L}{L_{\text{So}}} \\ {m^{*}} &= \cfrac{m}{m_{\text{So}}} \\ {T^{*}} &= \cfrac{T}{T_{\text{So}}} \\ \end{align} }\]
Berechne die Bereiche der Leuchtkräfte relativ zur Sonne bzw. die absoluten Lebensdauern der letztgenannten Sterne. Gehe von gerundet 10 Mdr. Jahren bei der Sonne aus.
\[ \bbox[lightyellow,12px] { \begin{align} Angabe... \qquad&\Rightarrow m^* \in \big[0,5 ;\ 4\big] \\ L^* = {m^*}^3 \qquad&\Rightarrow L^* \in \big[0,125 ;\ 64\big] \\ T^*= \dfrac1{{m^*}^2} \qquad&\Rightarrow T^* \in \big[4 ;\ 0,0625\big] \\ T=T^*\cdot10\cdot10^9a \qquad&\Rightarrow T \in \big[40\cdot10^9a ;\ 625\cdot10^6a\big] \end{align}}\]
Begriff: habitable Zone
Geringe Wahrscheinlichkeit einen Planeten mit erdähnlichen Bedingungen zu finden:
Stanlekub, CC-BY-SA, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Eclipsing_binary_star_animation_2.gif↩︎